|
Isar-Anzeiger, 2. März 2000
Erfolgreiche Gürtelprüfungen im Karate Dojo Grünwald
Fahrt zum Lehrgang mit Karate - Pionier Albrecht Pflüger
Dass es im Karate - wie auch in allen anderen Budosportarten - verschiedene Gürtelfarben
gibt, an welchen man das Können eines jeden Budoka erkennen kann, weiß eigentlich jeder.
Weniger bekannt sein dürfte hingegen, daß es ein harter und langer Weg vom Weißgurt
bis zum Schwarzgurt ist. Nur etwa einer von hundert Anfängern hält bis zur
Schwarzgurtprüfung durch. Deshalb freuen wir uns besonders, daß wieder viele Schüler
unseres Dojos eine weitere Prüfung auf diesem Weg gemeistert haben, viele sogar mit besonderem
Lob des Prüfers. Doch bevor wir den Karateka unseren Glückwunsch aussprechen dürfen,
möchten wir das für Außenstehende recht schwer begreifbare System der
Gürtelfarben, der Kyu- und Dangrade, erklären.
Im Budo (so werden die fernöstlichen Kampfkünste allgemein bezeichnet) gibt es die
Schülergrade (Kyugrade) und die Meistergrade (Dangrade).
Im Karate beginnen die Schülergrade mit dem weißen Gürtel (9. Kyu), darauf folgen
die Farben Gelb (8. Kyu), Orange (7. Kyu), Grün (6. Kyu), zweimal Violett (5. und 4. Kyu) und
dreimal Braun (3. bis 1. Kyu). Für jeden Kyugrad muß eine eigene Prüfung abgelegt
werden, auch für den weißen Gürtel. Zwischen den Prüfungen gibt es Wartezeiten,
die sich je nach Trainingshäufigkeit durchaus auf ein Jahr oder mehr verlängern können.
Bei den Meistergraden ist die Sache etwas einfacher. Auch hier gibt es neun Gürtelstufen, aber
nur eine Farbe: Schwarz. Jedoch ist hier der Dan mit der größten Nummer auch der
Höchste. Für den 1. bis zum 7. Dan muß je eine Prüfung abgelegt werden, der 8.
und der 9. Dan werden für besondere Leistungen verliehen. Auch hier gibt es Wartezeiten, die
aber erheblich länger sind als bei den Schülergraden.
Die Prüfung am 17. Februar nahm Herbert Perchtold (3. Dan) vom USC München ab. Er war mit
den gezeigten Leistungen sehr zufrieden und konnte am Schluß folgendes Ergebnis bekannt geben:
Die Prüfung zum gelben Gürtel (8. Kyu) bestanden Anna Bechler, Georg Cronauer, Joshua
Ermecke, Philipp Maute und Simon Pauli. Den orangen Gürtel (7. Kyu) erreichten Maximilian
Bleicher, Joan Klatt und Ludwig Meyer. Isabel Spangenberg wurde für ihre sehr gute Leistung der
1. Violettgurt (5. Kyu) verliehen. Mit dem 2. Violettgurt (4. Kyu) haben Thomas Lehnert und Max
Obermaier einen weiteren Schritt in Richtung Braungurt getätigt.
Allen Prüflingen wünschen wir auf ihrem weiteren Karate - Weg alles Gute, viel Erfolg, vor
allem Spaß und ein weiterhin verletzungsfreies Training. Ihr habt eine gute Leistung und viel
Einsatz gezeigt.
Am darauffolgenden Wochenende gab es für einige Karateka noch ein weiteres Highlight. Albrecht
Pflüger (6. Dan) hielt in Langenau bei Ulm einen Lehrgang ab. Pflüger gilt als Karate -
Pionier, er hat das Karate in Deutschland mit aufgebaut und war lange Jahre Vorsitzender des
Deutschen Karate Verbandes. Ähnlich wie alte japanische Meister sieht er Karate mehr als
Kampfkunst denn als Wettkampfsport, seine Stärken sind vor allem Kata (eine Folge von genau
vorgegebenen Techniken) und Selbstverteidigung. Hierbei läßt er auch immer wieder
Techniken aus Judo, Ju-Jutsu und Aikido einfließen, was vor allem bei fortgeschrittenen
Karateka auf Interesse stößt.
Auf dem Lehrgang zeigte er vor allem Hebel und Würfe,
die nicht nur darauf abzielten, den Gegner mit einfachen Mitteln kampfunfähig am Boden zu
halten, sondern ihn auch zu verletzen. Leider gibt es immer wieder Situationen, die solch ein
Handeln verlangen. Pflüger betonte in diesem Zusammenhang aber beharrlich, daß es viel
besser sei einen Konflikt erst gar nicht auftreten zu lassen, denn eine Garantie zum Sieg gibt es
nicht. Eine Kampfkunst erhöht lediglich die Chance darauf. Aus diesem Grund wird ein Budoka
einen Kampf immer vermeiden, ob nun durch Diskussion, der Herausgabe von Wertgegenständen
oder durch Flucht. "Siegen durch Verlieren"oder "Siegen durch Vernunft" wird
dieser Grundsatz auch genannt, Gewalt ist das allerletzte Mittel um einen Konflikt zu beenden.
Den sehr gelungenen Abschluß des Lehrgangs bildete ein sogenanntes Mondo Lehrgespräch.
Hierbei konnten die Teilnehmer dem Referenten in zwangloser Runde Fragen stellen, die dieser dann
geduldig und mit viel Engagement beantwortete. Eine solche Bereitschaft vermisse ich bei
Größen vieler anderer Sportarten.
|